Bike Kettenöle

Squirt Kettenwachs – Testbericht

…so heißt es auch heute noch, wenn es gilt im Langlauf oder bei Abfahrtsrennen die letzten Zehntelsekunden herauszuholen.
Doch gilt dies auch für Fahrradketten?

Squirtlube ist ein auf Wachs basierendes trockenes Schmiermittel und besteht in erster Linie aus einer Wachs/Wasser Emulsion.
Da es keinerlei Lösungsmittel enthält, ist es zudem auch noch umweltschonend und lt. Hersteller zu 100% biologisch abbaubar.
Nach der Behandlung mit Squirtlube bleibt eine trockene, grifffeste Oberfläche zurück an der kaum noch Schmutz haften bleiben soll. Durch das Nichtanhaften von Schmutz soll sich der Kettenverschleiß und dadurch die Laufleistung merklich erhöhen.

Anwendung
Vor der ersten Anwendung von Squirtlube muss die Kette zuerst fettfrei gemacht werden. Hier empfiehlt der Hersteller Bremsenreiniger, Entfetter oder Kaltreiniger. Dies gilt auch für neue Ketten.
Aber spüle ich da nicht die vom Hersteller eingebrachte dauerhafte Schmierung zwischen Hülse und Bolzen auch mit heraus? Und kann ein Wachs das Kettenöl wirksam ersetzen?

Zum Test stand mir ein Rennrad mit neuer Shimano HG93 Kette (112 Glieder) und einem neuen Ritzelpaket (9-fach, 11-32) zur Verfügung.
Die Kette wurde mit Bremsenreiniger, wie empfohlen, entfettet und getrocknet. Dann wurde das vorher gut durchgeschüttelte Squirtlube von innen auf die untenlaufende Kette aufgetragen, wobei diese rückwärts also über das Kettenblatt bewegt wurde.
Das Auftragen mittels der Dosierspitze funktioniert ganz gut. Nur bei allzu heftigem Auftrag tropfte es auch schon mal auf den Boden.
Wasser bzw. Wasseremulsion fließt nun mal weniger gut als Öl und so muss die Kette ein paar Mal durchgedreht werden, bis die Emulsion zwischen die Laschen der Kette kriecht. Nachdem das Wasser weitgehend verdunstet ist, wird diese Prozedur bei erstmaliger Anwendung gemäß Herstellerempfehlung noch einmal wiederholt.

Praxistest
Bevor es auf die Straße ging, stand die mit Squirt behandelte Kette erst einmal eine Nacht, damit das Wasser restlos verdunsten konnte.
Die Geräuschentwicklung sowie das Schaltverhalten war auf den ersten Kilometern ohne Tadel, doch gegen Ende der Tour wurde der Antrieb deutlich lauter, so dass nach nur 35 Kilometern die Kette erneut mit Squirt beträufelt wurde. Auch hier stand das Rad danach eine Nacht bis zur nächsten Fahrt.

Die Geräuschentwicklung des Antriebs wurde aber nur die ersten 15 – 20 Kilometer wirksam gedämmt. Zum Ende einer jeden Fahrt rasselte die Kette deutlich hörbar beim Treten und es musste nachbehandelt werden.
Dieses Prozedere war eigentlich vor jeder Fahrt notwendig, wollte man die Geräusche der Kette in Zaum halten.
Nach insgesamt 150 Testkilometern war der Antrieb während der Fahrt so laut, dass mich meine Mitfahrer darauf ansprachen.
Da zu diesem Zeitpunkt auch der Gangwechsel nicht mehr so geschmeidig funktionierte wie zu Beginn des Tests, wurde dieser dann abgebrochen.

Inwieweit, es sich mit dem Verschleiß verhält, müsste ein Langstreckentest klären. Während des Testzeitraumes konnte jedenfalls kein messbarer Verschleiß festgestellt werden.
Die Kette blieb während der ganzen Zeit aber schön sauber und verschmutzte auch nicht wesentlich.
Es bildeten sich lediglich kleine Krümel, die mit einem trockenen Baumwolltuch leicht abgewischt werden konnten.
In diesem Punkt konnte das Kettenwachs überzeugen.

Fazit
Wer also eine saubere Kette bevorzugt und sich nicht gerne mit verölten Antrieben die Finger schmutzig machen will, der sollte das Squirt Kettenwachs ruhig einmal ausprobieren.
Dies gilt auch für das MTB, wo die Schmutz abweisende Komponente von Interesse sein dürfte.
Wer aber mehr Wert auf längere Wartungsintervalle, speziell beim Rennrad, und einen leise laufenden Antrieb legt, der sollte inkl. schmutziger Finger und zeitraubender Putzorgien bei seinem bevorzugten Kettenöl bleiben.

Die Idee ist nicht schlecht – nie mehr ölige, verschmierte Ketten und Ritzel; stattdessen eine trockene und Schmutz abweisende Oberfläche.
Dieser Gedanke gefiel mir recht gut, wenn da nicht die geringe Geräuschdämpfung wäre.

Der Autor

Über den Autor

Rolle

... ist 51 Jahre alt, verheiratet und hat 3 Kinder.
Außerdem ist er leidenschaftlicher Motorrad- und Radfahrer (auch auf der freien Rolle, deshalb auch der Spitzname).
In seiner Freizeit schraubt er gerne an seinen Oldtimer-Motorrädern.

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