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Interview mit Oliver Roggenbuck

Man siehst sie an der Rennstrecke, oder auch mal im Studio.
(Sport)Fotografen, die immer auf der Suche nach dem perfekten Bild sind.
Wir haben einen jungen, noch nicht ganz so bekannten Sportfotografen zum Interview gebeten um ein wenig etwas über die Sportfotografie zu erfahren.
Oliver Roggenbuch plaudert aus dem Nähkästchen und gibt den ein oder anderen Tipp in Sachen Bilder schießen.

Stell dich bitte kurz selber vor

Hi, mein Name ist Oliver Roggenbuck und ich arbeite als Fotograf. Na ja, eigentlich bin ich momentan hauptsächlich noch Student im Medien- und Kommunikationsmanagement im beschaulichen Calw. Sobald die ersten Bikeparks wieder aufhaben, die Renn-Saison beginnt und die Sonne lacht, findet man mich an den Wochenenden aber meistens mit der Kamera in der Hand, Freunden im Schlepptau oder selbst auf dem Bike auf und an den Strecken Deutschlands.

Auf was muss man bei der Sportfotografie besonders achten?

Der Sport muss einem liegen. Wenn man überhaupt keinen Bezug zur Sportart hat, ist es schwer den Sport auch kreativ abzulichten und rüber zu bringen.
In vielen Situationen ist es sogar nur hilfreich, wenn man den Sport selbst betreibt.
Da ich selbst auch Downhill fahre, weiß ich genau wo die Linien einer Strecke liegen. Wo ich mich bewegen kann und wo die ausgefallenen Perspektiven sind.

Man könnte für dich dann also sagen, dass die Sportfotografie zum Beispiel im Bereich Fußball für dich nichts wäre?

Schwierig, da ich wenig Bezug zu Fußball habe. Obwohl es dort sicherlich auch spannende Motive und Perspektiven gibt!

Welche Grundausstattung sollte man für die Sportfotografie haben?

Es kommt auf den Bereich an. Beim Mountainbike-Motiven empfehlen sich sicherlich lichtstarke objektive und Kameras mit schnellem Autofokus. Ich persönlich verwende aber auch gerne funkgesteuerte Blitze um Motive besser ausleuchten zu können.

Wenn jetzt jemand Interesse an der Sportfotografie hat, sich aber noch vor den Ausgaben scheut, kann man eine handelsübliche Digitalkamera als Einstieg für die Sportfotografie nutzen?

Ich denke schon. Wenn man das Auge für ein schönes Bild hat, ist das schon viel. Das Problem bei Digitalkameras ist die Zeitverzögerung beim Auslösen. Es kann gut sein dass der Fahrer hier schon wieder vorbei ist.

Hier kommt es dann aber auch auf die Verschlusszeiten an, oder?

Definitiv. Je schneller der Fahrer, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein, um den Fahrer im Bild „einzufrieren“.

Was trifft für dich persönlich zu: Bist du durch das Fotografieren zum Biken gekommen oder eher anders herum?

Ganz klar! Vom Biker zum Fotografen!

Gab es da einen speziellen Grund?

Einige aus meinem Bekanntenkreis fotografierten schon hin und wieder. Die Fotos faszinierten mich und als ich ihm Rahmen meines Studiums öfter mit der Fotografie und Bildbearbeitung in Berührung kam entschied ich mich dann doch dazu es auszuprobieren und mir eine Einsteigerkamera zu kaufen.

Einsteiger Spiegelreflexkamera wäre dann so was wie eine EOS 1000D?

Das war meine erste Kamera. Reicht für die ersten Bilder auch gut aus um zu schauen ob einem dass Ganze auch wirklich Spaß macht.

Wo ist dein Lieblingspot zum Fotografieren?

Gute Frage. Kann ich eigentlich gar nicht so genau sagen. Ich finde Rennen immer unheimlich spannend. Die letzt jährige deutsche Downhill-Meisterschaft in Rittershausen war ein Highlight.
Es hat einfach gut gepasst. Sonne ohne Ende, noch mehr Staub auf der Strecke und geile Stimmung über das gesamte Rennwochenende!
Man sah alle Fahrer abends ihre Bikes putzen, die Fotografen saßen mit Pinsel und Mini-Blasebalg daneben und versuchten die Kameras vom Staub zu befreien.
Ansonsten ist Bad Wildbad immer toll. Viel Moos, viele Steine und viele Wurzeln.
Kurz um: Viel Natur für den Hintergrund.

Du hast vorhin bereits erwähnt dass du vom Biken zum Fotografieren gekommen bist.
Also ist Fotografieren aus Leidenschaft zum Biken entstanden.
Gibt es noch andere Gründe warum du Biken gerne fotografierst?

Da viele aus meinem Freundeskreis sowieso mehrmals die Woche auf dem Bike sitzen bietet es sich natürlich auch einfach an die Kamera mitzunehmen. Dazu kommt, dass man im Bikesport einfach extrem nah an die Action rankommt. Man steht nicht hinter großen Absperrungen, sondern ist mittendrin!

Gibt es auch Shootings von anderen Sportarten, oder sagst du von vornherein, dass du nur Bikefotografie machst?

Nein, ich bin eigentlich jedem Shooting einer Sportart aufgeschlossen. Solange Action dabei ist und ich mir etwas bildlich vorstellen kann, bin ich immer dabei.
Schwimmer oder Leichtathleten würde ich zum Beispiel sehr gerne einmal fotografieren.

Gibt es eine(n) Fahrer(in), welche(n) du besonders gerne fotografierst und wenn ja, warum?

Als erstes springt mir da Jens Steinsberger (Moro Bikes) in den Kopf. Ich glaube ich habe keinen Fahrer öfter fotografiert als ihn. Egal ob Downhill, Dirt oder Street. Man kann fast alles mit ihm ausprobieren und er setzt meist noch eins oben drauf!
Ansonsten sehe ich Fahrer wie Hannes Janzen oder Fabian Fader (Solid Bikes) gerne vor der Linse. Durch die Größe die beide haben, stehen sie klar auf dem Bike und bewegen sich flüssig auf über die Strecke. Das sieht dann natürlich auch auf Fotos geil aus.

Gibt es jemand, denn du unbedingt mal fotografieren möchtest?

Ich würde unheimlich gerne mal mit einem WorldCup-Fahrer der großen Top-Ten Teams shooten gehen. Optisch und farblich durchgestylt bis zu den Socken, wissen die Jungs und Mädels einfach genau was sie machen und was auch gut aussieht auf Fotos.
Ich denke einmal mit so jemanden zusammen zu arbeiten wäre eine coole Erfahrung!

Wir haben es ja bereits angeschnitten. In Bezug auf die Action dürfte Downhill oder 4-Cross ja am meisten bieten.

Momentan denke ich für mich persönlich ja. Es gibt aber nicht DIE beste Disziplin für Sportfotografie. Jeder Sport der einen selbst fesselt bietet unendliche Optionen für Fotos. Eine ungewöhnliche Perspektive ist immer spannend, unabhängig von der Sportart.

Dann macht es auch den Reiz des Experimentierens aus

Genau. Etwas Neues auszuprobieren, experimentieren und versuchen etwas abzulichten, was man noch nicht jeden Tag gesehen hat.

Was macht den Reiz aus, bewegliche Objekte zu knipsen?

Das Timing und und den Blick für eine passende Situation. Wenn du merkst das alles zusammen passt und du zufrieden auf dein Display schauen kannst. Eine Tasse oder andere statische Objekte lassen sich leichter fotografieren. Man wählt den Bildausschnitt, stellt alles passend hin und los gehts. Die Tasse rennt sicherlich nicht mit 40 km/h durchs Zimmer.

Ok, weil du gerade eine Tasse ansprichst. Um hier ein perfektes Bild zu erreichen, wird man wohl so an die 10 Bilder benötigen. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass wenn du vom Downhill das perfekte Bild haben möchtest, reichen die 10 Bilder nicht aus.

Dafür reicht manchmal nicht mal ein ganzer Tag. Aber klar, am Anfang kann man noch fast alle Bilder streng genommen wieder löschen. Nach und nach wird die Ausschussquote an unscharfen und falsch belichteten Fotos immer kleiner. Dafür siebst du aber auch mit immer mehr Anspruch aus, was die Action auf dem Bild angeht.

Wie sieht es dann aktuell bei dir aus mit der Ausschussquote?

Uff, schwer zu sagen. Das kann man glaube ich nicht genau definieren. Grob gesagt denke ich von zehn Fotos bleiben fünf oder sechs Fotos übrig, die ich bearbeite und an die Fahrer verschicke und davon sind dann manchmal ein oder zwei Fotos dabei die veröffentliche und an Magazine schicke.

Was ist für dich das perfekte Bild?

Eine ungewöhnliche Perspektive, viel Action und schönes Licht ist auf jeden Fall extrem wichtig für ein perfektes Bild!
Ich persönlich finde knallige und stark gesättigte Farben immer cool.

Wobei schwarz-weiß Bilder auch ihren Reiz haben!

Ja, manchmal schon. Ich kenne auch einige Fotografen, die super geile S/W-Aufnahmen beim biken machen. Der Effekt gehört für mich aber mehr in den People-Bereich.

Hast du vor, irgendwann mal ein Magazin über die Sportfotografie rauszubringen?

So etwas in der Art gibt es ja schon. Gemeinsam mit meinem guten Kumpel und Fotokollegen Hanno Polomsky haben wir das Fraction Magazine ins Leben gerufen. Momentan noch als Online-Magazine und Race-Picture-Service aufgebaut, soll es irgendwann auch mal als gedruckte Version verfügbar sein. Da hat Hanno aber hauptsächlich den Hut auf. Kümmert sich also auch um die Website und dergleichen. Auf jeden Fall mal vorbei schauen: www.fraction-magazine.de

Gibt es andere Sportfotografen die du bewunderst oder die ein Vorbild für dich sind?

Da gehören Sebastian Schick oder Sven Martin auf jeden Fall dazu.

Heutzutage werden ja viele Bilder am PC bearbeitet. Was bearbeitest du an deinen Bildern bzw. wie stark?

Unterschiedlich würde ich sagen. Je nachdem wie die Farbstimmung sein soll. Ansonsten aber eher leichte Nachbearbeitung.

Bietest du Seminare / Kurse in Sachen Fotografie an?

Da habe ich ehrlich gesagt noch nie drüber nachgedacht. Eigentlich nicht. Wenn jemand eine Frage hat, helfe ich aber gern aus.

Was kannst du uns sonst noch aus dem Leben eines Sportfotografen erzählen?

Wir haben letztes Jahr viele Rennen mit der Kamera begleitet. Das war echt schon ein tolles Erlebnis. Nicht nur die Fotos die dabei entstehen, sondern auch den „Lifestyle“ den man dabei lebt. Mit den Fahrern zusammen auf die Rennen fahren, Fahrerlager im Zelt, den ganzen Tag fotografieren und abends Bilder vergleichen und über Linien, Fahrer und Fotos diskutieren. Wenn man dann noch einen Presseausweis um den Hals hängen hat, ist das Wochenende eigentlich perfekt. Damit kommt man nämlich wirklich überall dort hin, wo man das nächste Foto machen möchte!

Vielen Dank an dieser Stelle an Oliver für den kleinen Einblick in die Welt der Sportfotografie.
Natürlich fotografiert Oliver nicht nur Mountainbiker.
Wer mehr darüber wissen möchte, dem sei seine Webseite ans Herz gelegt, welcher ihr mit Klick auf das Logo erreicht.


Solltest auch du eine Frage an Oliver haben, dann hinterlasse hier einfach einen Kommentar und Oliver wird dir antworten.

Über den Autor

Lefdi

Hobbybiker und derzeit unterwegs mit einem All-Mountain "No Pogo 3" von Centurion.
Gerne auch mal zu Fuß in den Bergen unterwegs um die Natur zu genießen. PayPal-Kaffeespende an den Autor

4 Comments

  • […] Einfach auf den nachfolgenden Link klicken: Rund ums Rad –  der Ra(d)tgeber-Blog wenns ums Fahrrad geht […]

  • Ich nenn ihn nur: den Mann mit den zwei Blitzen;)
    Schönes Interview, bei den Antworten mussste ich manchmal schmunzeln, denn sie kommen direkt aus dem Leben eines Sportfotografen.

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