Allgemein

Fahrtechnik vs. Federweg

Diskussionen die niemals enden: Fahrtechnik vs. Federweg- Ein paar Statements

Es liegt in der Natur des Menschen unterschiedliche Meinungen zu haben, diese zu vertreten und natürlich auch über diese zu diskutieren. Über manche Themen wird schon seit Beginn der Menschheit ausgiebig diskutiert, so zumindest mein Eindruck.

Vor drei Wochen schlug ich die neue Ausgabe des Gravity-Mags 6undzwanzig auf, kurz das Inhaltsverzeichnis gecheckt und da war er, der Artikel, der sich wohl mit einer Lieblingsfrage aus der Bikeszene beschäftigt.

Der Autor Sebastian Labonte appelliert mit seinem Denkanstoß an die Einsteiger in der Szene.
Viele seien mit überdimensionierten Rädern unterwegs, dessen Potenzial sie gar nicht ausschöpfen können. Die Fahrtechnik leide darunter, denn anstatt diese von der Pike auf zu lernen am Besten mit einem Hardtail, bügele man lieber mit viel Federweg alles platt, was einem Radfahrer so vor den Pneu komme kann.
Trotz der ermahnenden Worte lässt aber Labonte eines nicht nicht außen vor, den Spaß am Radeln, denn das sei natürlich immer noch das Wichtigste.
Wir haben uns mal innerhalb unseres Autorenteams umgeschaut und nachgefragt, welche Haltung bei ihnen zu diesem Thema vorherrscht.
Weiter haben auch einige Fahrtechnikexperten ihre Meinungen zu Papier gebracht.

Dominik Voss, Autor bei Radblogs:
„Als XC-Wettkampffahrer muss ich einfach sagen, dass es nicht immer 150mm und mehr Federweg sein müssen. Das Bike sollte dem Einsatzbereich perfekt angepasst sein und das sieht man leider immer weniger. Ich bin nur auf einem 100mm Focus Hardtail unterwegs und liebes es einfach.
Die Beschleunigung des 9kg leichten Rades ist einfach genial. Nirgendwo geht Energie verloren. Das sind dann aber auch wohl die einzigen Vorzüge.
Im Downhill kann ich gegen die meisten Enduro und Downhillfahrer nichts ausrichten. Hier sollte der angehende MTBiker vor dem Kauf sehr genau abwägen, was ihm wichtig ist.
Sportliches fahren mit Augenmerk auf Fitness und körperlichen Leistungen oder eben fast ausschließlich Action und Adrenalinrausch beim Downhill. Beim XC bekomme ich sogar beides 😉
Die Beratung im Laden steht hier bei vielen Anfängern zuerst im Vordergrund.
Meiner Meinung nach ist diese oft unzureichend. Ich habe schon mehrmals gesagt bekommen oder miterlebt, dass Bikes unterhalb der 140mm Federwegmarke als nur noch forstwegtauglich degradiert werden.
Möchte ein Käufer auf die wurzeligen Trails, müssen es direkt 160mm sein.
Das finde ich falsch und die Vorzüge von 100-140mm Fullys sollten mehr in den Vordergrund gerückt werden. Bergauf ist es mit ihnen einfach deutlich entspannter und einfacher, wobei hingegen die Abfahrtsmöglichkeiten der Räder von nur wenigen komplett ausgenutzt werden.
Auf der anderen Seite steht natürlich der MTB Teenie Sektor.
Im Alter von 14 Jahren muss das Bike hier erst einmal nur „geil“ sein und ein langhubiges Downhillbike macht einfach mehr her und sticht besser aus der Fahrradmasse heraus.
Das die 18kg Panzer dann aber jedes Mal hochgeschoben werden müssen, bleibt anfangs außer acht. Nur die wenigen haben einen Bikepark vor der Nase und ohne Lift machen die 170-200mm Bikes in meinen Augen einfach keinen Sinn.
Die Diskussion bezüglich der Fahrtechnik möchte ich lieber nicht führen. Natürliche habe ich auf dem örtlichen Secret Downhillspot schon einmal einen 160mm Fullyfahrer mit meinem Hardtail überholt, aber meistens sieht die Sache doch ganz anders aus.
Wer jedoch viel fährt und trainiert, ist bergab auf seinem Gerät auch schnell.
Ein Fully hilft natürlich ungemein, aber ich will Endurofahrer definitiv nicht degradieren, dass sie weniger Fahrtechnik als wir XC Fahrer haben. Das ist viel zu individuell.
Sich in Steps auf mehr Federweg zu gewöhnen halte ich für unnötig. Wer Bock hat Enduro zu fahren, soll sich eins kaufen. Wer DH fahren möchte, soll auch damit anfangen. Wichtig ist dann aber eben, dass man es artgerecht nutzt und dann kommt die Fahrtechnik von alleine.“

Mein Fazit:
„Jedes Bike hat seine Daseinsberechtigung und der Fahrer sollte eben sehr genau abwägen, was er sich zulegt.
Aber bitte beachtet, dass viel Federweg auch negativ zu Buche schlagen kann! Es müssen nicht immer 160mm Federweg sein, man kann es auf den meisten Trails sogar mit einem Hardtail krachen lassen. 😉
Ich bleibe definitiv hauptsächlich bei meinen XC Rennmaschinen mit 100mm Federweg.“

Detlef Kast, Chef bei Radblogs
„Als AM-Fahrer habe ich für meine Bedürfnisse genügend Federweg zur Verfügung, kein Thema. Aber der Federweg allein macht das Fahren meiner Meinung nach nicht aus.
Fahrtechnik ist sehr wichtig, um auch in kritischen Situationen richtig reagieren zu können und um auch ein Feeling für sein Rad zu bekommen.
Es gibt Situationen, da bringt dir viel Federweg nicht wirklich was, sondern da kommt es auf die Fahrtechnik an.
Ich denke ein gute Mischung aus Fahrtechnik und Federweg ist schon mal eine gute Voraussetzung für sicheres Biken.“

Jan Zander, Trailtech Mountainbiking
Gerade im Bikepark oder auf anspruchsvollen Trails sieht man immer eine Menge Biker, welche „passiv“ auf ihrem mit viel Federweg bestückten Rad den Berg herunter rollen, anstelle das Fahren „aktiver“ zu gestalten.
Mein Tipp dazu: „Seit Kapitän, anstelle nur Passagier“
Mit einem Hardtail oder Bike mit weniger Federweg zu beginnen macht daher immer Sinn. Zumal diese Bikes allround-tauglicher sind, man längere Strecken fahren kann/ wird und dadurch auch viele verschiedene Untergründe bzw. Fahrsituationen erlebt = seinen Erfahrungsschatz erweitert. Immer nur am selben Spot bergab zu fahren schult dementsprechend nur sehr einseitig.
Mein Tipp:
So viele verschiedene Untergründe, Trails und Strecken fahren wie möglich um sich „breit aufzustellen“!

Wenn man dann letztlich das Gelernte auf ein Bike mit viel Federweg überträgt hat man definitiv mehr Spaß und ist auch wesentlich sicherer unterwegs. Ride On.“

Marc Brodesser, Bikeschule RideFirst
Mit einem Hardtail als Einsteiger zu beginnen hat sicherlich den Vorteil, dass man sich direkt eine aktive Fahrweise aneignet und lernt eine saubere Linienwahl zu realisieren.
Wer jedoch beispielsweise mit einem All-Mountain-Fully startet, wird sich m.E. eher nicht nur auf die Federung verlassen – und ob man den Hinterbau auf sportlich straff oder komfortabel und jede Unebenheit schluckend einstellt, bleibt jedem je nach Vorlieben überlassen.
Ich habe auch erst mehrere Hardtails gefahren, bis mein erstes Fully angeschafft wurde.
Am Gardasee hatte ich 2001 ein Schlüsselerlebnis als ich auf den felsigen Trails das erste mal ein vollgefedertes Freeride-Fully mit 130 mm Federweg abwärts scheuchen konnte – die neuen Möglichkeiten in Sachen Linienwahl und weniger Gerüttel haben mich sofort zum überzeugten Fully-Fahrer gemacht.

Iris Ohlig, die Bergziegen
Lernt erst mal mit wenig Federweg – am besten auf einem Hardtail – die Fahrtechnik und den Blick für die gute Linie im Trail. Wer das dann beherrscht und Spaß am Downhillen bekommen hat, kann sich ja immer noch mehr Federweg zulegen.
Dann ist aber sichergestellt, dass die Technik sitzt und unverhofft schwierige Stellen souverän gemeistert werden.
Ich komme mit meinen 100 mm vorne und hinten wunderbar in allen Lebenslagen zurecht. Und wenn es mal mehr Spaß sein soll im Bikepark oder in einem besonders geilen schweren Downhill im Urlaub, dann leihe ich mir ein Bike mit entsprechendem Federweg…….

Ralf Bielawny, Berg Rad Touren
In unseren Seminaren stellt sich heraus, das viele Teilnehmer keine Fahrtechnik beherrschen und sich zunehmend auf 29 Zoll Bikes bewegen.
Hindernisse werden einfach überfahren. Hinzu kommt, das die Federwege der Bikes nicht auf den Fahrer abgestimmt sind, da das Wissen darüber fehlt. In unseren Seminaren lernen die Teilnehmer die Fahrtechnik, wie wir es mit den ersten ungefederten Bikes Anfang der 90er Jahr erlebt und erlernt haben.
Daher verzeichnen wir auch ein hohen Zulauf an Mountainbiker, die die richtige Fahrtechnik erlernen möchten. Im Gegensatz dazu nehmen die geführten Touren immer mehr ab, da die Elektronik(GPS) immer mehr Einzug hält.

Viel Federweg führt vor allem bei jungen Bikern zu „wildes fahren“ ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt. Gerade in Ballungsgebieten fehlen professionelle Bikeparks.

Tobias Krause, TrailXperience
Viel Federweg – gepaart mit wenig fahrtechnischem Hintergrund – ergibt eine sehr passive,
undynamische und meist grundlegend falsche Fahrtechnik, die später nur mühsam wieder zu korrigieren ist!
Einsteiger tun sich oftmals leichter, eine gute Position auf dem Bike einzunehmen als Fahrer, die lange falsch auf einem langhubigen Bike unterwegs waren.

Nach unseren Erfahrungen hat ein durchschnittlicher Tourenfahrer oftmals eine bessere Fahrtechnik als ein durchschnittlicher Bikepark-Fahrer!
Heißt nicht, dass der Tourenfahrer die gleiche Sachen fährt, es geht um die Position auf dem Bike und mit dessen Umgang.

Im Regelfall raten wir den Kunden zu einem Bike mit weniger Federweg, wenn sie fragen, mit welchem Bike sie zum Kurs oder zum Camp kommen sollen!
Besser sie üben mit dem Feedback gebenden 120-140mm Bike als mit dem 180mm Freerider (auch wenn sie mit dem öfter unterwegs sind)

Für Kinder & Jugendliche finden wir die Entwicklung schade, weil Kids oft von Haus aus eine gute Position auf dem Bike haben, die leider durch mangelnde Anleitung und zu früh zu viel Federweg wieder verloren geht!

Tja, und meine eigene Meinung dazu:
„Egal wie ihr fahrt und was ihr fahrt, habt einfach Spaß dabei!“
Ich finde einfach, dass jeder sein Ding machen sollte, nicht nur beim Biken sondern Allgemein und sich nicht so von anderen beeinflussen lassen sollte.

Und jetzt zu euch.
Was ist eure Meinung zu dieser endlosen Diskussion?

Über den Autor

Rund ums Rad | Outdoortest-Team

14 Comments

  • Anfangen mit Hardtail oder an sich weniger Federweg an sich und alles läuft 🙂
    Die ersten Downhill-Strecken bin ich mit 80mm Hardtail gefahren – jetzt weiß ich, wo gefährliche Stellen lauern und kann diese besser meistern! Mit 180mm hätte ich wahrscheinlich einfach draufgehalten und wäre irgendwie drübergerollt.

  • Hallo Leute!

    Dass Federweg weder Fahrtechnik noch Geschicklichkeit eines Mountainbikers ersetzen kann, das ist klar, aber „Reserven“ können nicht schaden.

    Ich fahre seit mehr als 15 Jahren und muss ehrlich sagen ich bin froh, dass es seit einigen Jahren Fullies mit wirklich gutem Ansprechverhalten gibt. Ich darf auch ruhigen Gewissens behaupten dass ich ein guter Rider bin, auch wenn ich keine Extremsprünge mache und nicht unbedingt jeden fast senkrechten Steilabbruch runterheizen muss. Ich würde kein Hardtail mehr fahren wollen, nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil es wesentlich mehr Spaß mach mit guter Federung Wurzel- oder Steinpassagen zu bezwingen und als nicht Pro zählt letzt endlich nur ob es Spaß macht oder nicht.

    Darüber hinaus bin ich auch davon überzeugt, dass etwas Federwegreserve gerade bei engagierten Einsteigern von Vorteil ist, denn wenn’s mal brenzlig wird bleibt man eher am Bike als mit einem Hardtail. Was man falsch gemacht hat merkt man trotzdem und kann das dann üben. Meine Freundin würde heute weder einen Hometrail noch einen Bikepark-Trail mit mir gemeinsam fahren, hätte ich ihr nicht doch mal einen FR/DH hingestellt.

    Bei aller Federwegsbefürwortung sollte man sich aber trotzdem überlegen welches Gelände man hauptsächlich befährt und das bei der Bikewahl berücksichtigen.

  • Nach drei Jahren auf einem moderaten Rotwild Fully (120-140mm) habe ich den Spaß auf Pumptracks oder etwa dem Conti Track in Winterberg entdeckt. Ein Hardtail musste her, aber für ein Dirtbike bin ich ein paar Jahrzehnte zu alt 😉 Die Dirt UK hat mir mit einer Bikevorstellung den Weg gewiesen: Seit letztem Jahr fahre ich ein Stanton Slackline 853 Stahl Hardtail (Dirt 100 2012 und 2013). Das Rotwild sieht seitdem nur noch Forstwege, ins Gelände geht es auf dem Slackline. Aber man muss kein Glaubensbekenntnis daraus machen, das nächste Bike wird wohl ein NC Helius AC oder AM… – für jedes Gelände das richtige Bike!

  • bei uns in Mittenwald wünsch ich mir schon manchmal mehr Federweg. Aber es stimmt schon: wenn Technik und Kondition passen, brauchts nicht allzu viel Federweg, um die Trails mit Spaß auch auf einem Raceteil oder einer älteren Maschine hinunter zu kommen.

  • Ich selbst fahre komplett starr und für mich ist das MTB pur. Ich bin mir auch sicher, das es für die Fahrtechnik besser ist auf viel Federweg zu verzichten, da man so die verschiedenen Untergründe besser kennengelernt und lernt sich fahrtechnisch darauf einzustellen. Das Bike gibt einem so ein direktes Feedback und das fehlt nun-mal bei einem Fully komplett. bei vielen XC Fahrern gehört im Winter das Fahren mit einer Starrgabel einfach zum Programm.

  • ein toller und guter Artikel, der mir sehr gefällt. Ich beobachte schon seid längerem, das es von Session zu Session immer mehr Federweg bei den bikes wird. War es noch vor 3 Jahren ein Hyp ein 130mm AM Fully zu haben, fällt das heute schon fast unter die Kathegorie HT – um es mal extrem darzustellen.
    150mm sind normal, auch wenn das schon unter AM+ fällt. Haarscharf an die Enduro Bikes sozusagen.

    …wenn ich da so an mein 90mm Trekking-Cross Fully denke…

  • Ich habe den Artikel auch gelesen, konnte die Quintessenz aber irgendwie nicht erkennen. Da ging es (sinngemäß für mich) um „Race Ready ist wir ein Ferrari – der Beitzer suggeriert damit Können, das er nicht hat“.
    Für mich war das eher ein Fingerzeig auf jeden Fahranfänger, der sich gleich ein DH Bike holt, frei nach dem Motto „Ihr könnt nix und wir wissen was das Beste für euch ist“. Lasst die Leute doch mal machen.

    Das Ganze scheint mir doch die gleiche Geschichte wie mit den Ebikes von vor paar Jahren zu sein, irgendwie sieht das für mich nach einer ganzen Menge künstlichem Aufregen über nichts aus – zudem befürchte ich ein bisschen, dass die auf die der Artikel gewissermaßen (!) zurtifft, entweder sagen werden „ja aber mein Hometrail is ja soooo krass und ich muss mich an die Karre ja doch irgendwann gewöhnen und insgesamt bin ich ja eh noch Anfänger und da kann ich mir keinen Vorwurf machen lassen und sowieso und überhaupt findet meine Schnecke zu Hause den riesen Federweg und die dicken Rohre auch toootal sexy“
    Die anderen sind höchstens verprellt (ich wäre es ja schon, einfach nur weil irgendeine Klasse hier degradiert wird gegenüber irgendeiner anderen) und kaufen nie wieder eine 26 (was natürlich auch eine Schande wäre).

    Aber was bedeutet denn „Fahrtechnik“ ? Das Wort kam in dem Artikel so oft vor, da musste ich mir die Frage zwangsläufig stellen. Manuals können? Aufm Hinterrad rumhopsen? In Kurven so schön die Hüfte reindrehen? Bunnyhops beherrschen? Wenn ja wie hoch müssen die dann sein? Wann fängt gute „Fahrtechnik“ an und wann hört sie auf?

    Die besagten Kids (hier gibt es einige in der Region) fahren komischerweise alle durch die Bank weg astrein, kaufen sich oft nach dem DH bike (als erstbike) noch irgendein Slopestylefully und lassen es damit so dermaßen krachen, dass die meisten Fahrtechnikseminarler nur noch staunen können.

    Ich bin mir sicher, nicht geholfen zu haben (und Aufgeregt habe ich mich auch), aber vielleicht habe ich einen Denkanstoß geliefert und so halt.

  • Für mich steht fest: Ein Hardtail reicht vollkommen aus!
    Ich habe ein Ghost Hardtail mit 110mm Federweg und das ist wirklich schon zu viel, damit kann man sehr gut im Wald kleinere Trails fahren.
    Ich fuhr vor 2 Jahren doch ein Fully mit 170mm Federweg. Im vergleich finde ich, dass mit einem Hardtail das Fahren einfach viel Aufregender ist! Man spührt so richtig den abwechselnden, matschigen, lockeren Boden unter sich. Immer wieder eine neue Herausvorderung. Bei einem Fully ist man einfach langweilig unterwegs.

  • Ich bin seit 12 Jahren auf dem MTB unterwegs, und seit langer Zeit schlägt mein Herz für All Mountain. Jedoch trainiere ich einmal die Woche auch mit meinem alten Hardtail, einfach weil Kondition und Ausdauer finde ich eine lebenswichtige Ressource sind.
    Dass zu viel Federweg die Fahrtechnik zerstört, sehe ich nicht so. Natürlich sollte das erste MTB ein Hardtail sein, und die Linienwahl wird generell auch darauf geübt. Wer das draufhat, holt euch ein All Mountain. Damit könnt ihr ÜBERALL das Gelände unsicher machen! Mit meinem Stumpjumper bin ich schon 3x über die Alpen, aber rocke auch im Bikepark fast alle Sprünge. Die 180+mm braucht KEINE SAU, solang man nicht wirklich REINE DOWNHILLSTRECKEN fährt. Falls sich jetzt irgendwelche Teenies denken, ja Bikepark is doch Downhill, dem möchte ich empfehlen, die Red Bull Hardline anzusehen, DAS sind Downhillstrecken.

  • Warum Hardtail nach 17 Jahren Fully? Ich bin regional bedingt eher „Forstautobahner“ mit nur kleinem Trailanteil und habe keinen entscheidenden Nutzen von einem Fully.
    Ich kaufe in der Preisklasse 1500 € – da gibt es sehr kompentente HTs, aber wenig Fullies. Ich mag es gern „nüchtern“.
    Damit es auf den paar Trails, die ich hier habe, weiterhin Spaß macht, habe ich ein paar Dinge am HT geändert, die einen großen Unterschied machen:
    Umrüstung auf 2,4er Reifen bringt viel Grip und etwas mehr Komfort. 2,6 gehen auch und kommen drauf, sobald die alten fällig sind. Kurzer 50 mm Vorbau mit Spacern fühlt sich prima an und kostet nur 30 €.
    Ich habe eine 100 mm Rockshox Reba RL, die sich mit einem Airshaft für 18 € auf 120 mm traveln lässt, auf youtube gibt es Anleitung dazu. Neben dem Plus an Federweg
    gibt es auch einen um ca. 1 Grad reduzierten Lenkwinkel, das ändert das Fahrverhalten leicht(!) in Richtung „ruhiger“. Ähnliches schafft ein 27.5er Rad hinten und ein 29er vorn,
    diesen Weg gehen einige Hersteller serienmäßig.
    Wer einen bocksteifen Rahmen hat, kann zumindest für Uphill und Ebene Komfort gewinnen indem er eine simple Teleskopstütze montiert. Wird oft belächelt, hilft aber
    eine Menge ohne zu stören und ist für 30 € zu haben. Da ich fast ein Komfortwunder fahre, habe ich diese Stütze gegen eine Variostütze getauscht, die nicht nur bei
    technischen Abfahrten sehr hilfreich, sondern durch den nochmals verringerten Durchmesser (bei mir 27,2 mm auf 23 mm) auch sehr bequem ist.
    Kostet in simpler Ausführung (Forca SPS) nur 80 € und ist eine tolle Sache, auch am Hardtail.
    Wer also ein halbwegs aktuelles HAT hat, vornehmlich 27.5er oder 29 er – Räder, kann mit wenig Aufwand und Kosten aus der sperrigen Race / Marathon-Feile ein
    Gefährt machen, dass für sporadische Trail-Abenteuer bereits gut aufgestellt ist.

  • Hi, Danke für diesen tollen Beitrag! Ich war, aufgrund von diversen Meinungen in Foren, leicht verunsichert, was die Wahl meines ersten teuren MTB’s angeht(vorher HT im Bereich um die 1k). Nun bin ich mir sicher, dass ich mit einen AM sehr gut fahren werde. Vielleicht kann könnt ich mir sagen, was ihr vom Orbea Occam AM H30 2017 haltet? Liebe Grüße und wir sehen uns auf’m Trail!

    • Danke für’s Feedback.
      Sieht aktuell nicht so aus, als hätte einer unserer Autoren konkrete Erfahrungen mit dem Orbea Occam AM H30 2017. Ich bin in Andalusien mal Rennräder von Orbea gefahren. Die waren für mich vollkommen ok.
      Sorry
      Klaus

  • Was viele vergessen: Ein Fully dient nicht nur dem Komfort sondern auch der Traktion / dem Bodenkontakt. Da reicht schon ein gut eingestellter 120mm Dämpfer hinten und bei huppeligen Gelände bleibt der Reifen meist am Boden (Hügel werden „plattgebügelt“ und in Mulden wird der Reifen „reingedrückt“).
    Bei einem Hardtail befindet sich dagegen im huppgeligem Gelände der Reifen oft in der Luft und hat gar keinen Bodenkontakt. Das ein Reifen in der Luft nicht bremsen kann oder die Spur halten kann ist klar. Einzige Lösung ist, mit dem Hardtail einfach deutlich langsamer zu fahren.
    Ich habe selbst eine Wurzelstrecke mit Hardtail und Fully getested. Wenn man ca. gleich schnell fährt hat man mit dem Hardtail schnell das Gefühl von Harakiri während man sich auf dem Fully absolut sicher bewegt.

Hinterlasse einen Kommentar