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RaceFace Next SL Kurbel- Testbericht

Leichter als zwei Pfund Butter und dennoch kein bisschen labberig? Mit ihren hohlen Carbonarmen und ihrer extrem leichten 30mm Aluminiumwelle ist die RaceFace Next SL die so ziemlich leichteste in Serie gefertigte Kurbel für den MTB Cross-Country Einsatz. Zudem ist sie vielfach kompatibel und umrüstbar. Mehr in unserem Langzeittest…

Features der Kurbel:

Selbstbewusst wird die Kurbel als leichteste MTB Serienkurbel angepriesen und beim Release hängen die Canadier sie sogar an einen Luftballon, um ihr grandios leichtes Gewicht zu präsentieren. Die edle Verpackung der Kurbel ziert zudem der Schriftzug „A crank above all others“.

Race Face Next SL Einfachkurbel_2500px

Direkt ist klar, diese Kurbel soll den Markt erobern. Die Features könnten beinahe zu einem Sportwagen gehören. Hohle Carbonachsen, ultraleichtes Aluminium, das 20% gegenüber dem herkömmlichen 7050 einspart, neuartige Cinch Verschraubungen und Lager, sowie eine große Auswahl an Direct Mount Kettenblättern und Kurbelsternen.

32er Blatt_RaceFace

Das Ergebnis ist eine Kurbel, die mit hoher Steifigkeit bestehen soll und zudem in so ziemlich jeden Rahmen passt. Mit dem Cinch System ist die Kurbel für alle Lagerstandards bereit und kann 3-fach Spider, 2-fach oder auch Direct Mount Kettenblätter für den 1-fach Betrieb aufnehmen. Letztere besitzen für einen besseren Halt der Kette ein narrow-wide Profil, das in die unterschiedlich breiten Laschen der Kettenglieder greift. Erhältlich ist es neben dem üblichen schwarz in blau, rot, grün, orange und purple.

Pf30_Lager_Cinch_RacefaceWir testeten die Kurbel mit einem 34er und einem 32er Direct Mount Kettenblatt, sowie PF30 Lagerschalen. Auch bei diesen gibt es wieder etwas besonderes zu vermerken. Die eigentlichen Industrielager sitzen außerhalb des Rahmens. Der Kontaktpuntk zwischen Kurbel und Lager ist somit weiter außen, was die Steifigkeit und Langlebigkeit der Lager erhöhen soll.

Zum Schutz der Edel-Kurbel befindet sich auf jedem Kurbelarm eine dicke Schutzfolie gegen Kratzer des Radschuhes, sowie Gummi-Crankboots am Kurbelarmende gegen Aufsetzer.

Beim Gewichts-Check ergaben sich folgende Werte:

  • Kurbelarme mit 34er Kettenblatt: 447g
  • Crankboots zum Schutz der Arme: 16g
  • PF30 Innenlager: 113g
  • Optionales 32er Direct Mount Kettenblatt: 61g

Mit einem Gesamtgewicht von 576g spielt die RaceFace Next SL somit fast in einer eigenen Liga der Serienkurbeln. Vergleicht man die nackten Kurbelarme mit der nicht viel günstigeren SRAM XX1 (UVP rund 500€, online viel günstiger), so spart die RaceFace nochmal rund 100g! Das können sonst nur die deutlich teureren Tune BlackFoot und THM Kurbeln:

  • RaceFace Next SL Kurbelarme mit Kettenblatt: ca. 447g, 519€
  • Tune Black Foot Kurbelarme mit Kettenblatt: ca. 380g, 829€
  • THM Clavicula M3 Kurbelarme mit Spider: ca. 395g, 848€

Die nackten Werte der RaceFace Next SL sind demnach durchaus überzeugend und der Preis im Konkurrenzvergleich gut und gerechtfertigt.

Montage:

Karton_NextSL_KurbelAnders als bei den meisten Kurbeln ist die Achse fest mit dem linken und nicht mit dem rechten Kurbelarm verbunden. RaceFace hat diese Variante gewählt, um den Umbau von Spidern oder Kettenblättern zu erleichtern.

Nach der Lagermontage steckt man die Achse hindurch, fügt eventuell je nach Rahmebreite Spacer hinzu und schraubt den rechten Kurbelarm samt Blatt von außen fest. Das axiale Spiel wird mit einem kleinen Plastikring handfest an der linken Kurbelseite eingestellt. Eine kleine Aluminiumschraube fixiert diesen letztendlich.

Insgesamt geht der Einbau sehr leicht von der Hand und auch der Wechsel des Kettenblatts ist gut gelöst. Mit einem herkömmlichen Innenlager Werkzeug (Vielzahn-Aufnahme) löst man nach der Demontage des rechten Kurbelarmes die Befestigungsschraube des Blattes und steckt ein anderes Blatt oder einen Spider drauf.

Die Montage des Systems ist wirklich sehr einfach und auch die Demontage geht ohne lästigen Kurbelabzieher oder Gehämmer leicht von der Hand.

Auf dem Trail:

IMG_8062_2_kleinIm Einsatz hatten wir die Kurbel bei Cross-Country Wettkämpfen (Bundesliga, Deutschland Cup) und auch bei Marathons. Für letztere montierten wir beispielsweise bei der Zillertal BikeChallenge (Etappenrennen) ein 32er Kettenblatt, für kurze Rennen reichte uns jedoch das 34er.

Bezüglich der Steifigkeit erkannten wir trotz der leichten Bauweise keinerlei Einbußen. Es ist zwar immer schwer dies zu quantifizieren aber bei harten Antritten, Drops und Sprüngen merkten wir keinen Flex. Die Robustheit der Kurbel wird auch dadurch bestätigt, dass sie nicht nur für den XC Einsatz freigegeben ist, sondern dass man abgesehen vom Downhill alles mit ihr machen kann, unabhängig vom Fahrergewicht.

(c) Mattis Radsportfotos

(c) Mattis Radsportfotos

Das narrow-wide Zahnprofil des Kettenblatts soll in der Theorie das Abspringen der Kette verhindern. Dicke und dünne Zähne greifen fester in die breiten und dünnen Laschen der Kette. Dies können wir definitiv bestätigen. Die Kette wird von dem Blatt besser geführt und sitzt strammer, was ein Abspringen größenteils verhindert. Nur größtenteils, da wir uns letztendlich doch für die Montage einer Kettenführung entschieden. Mit zunehmendem Verschleiß des Blattes (>2000km) wurde die Kette nicht mehr so stark gehalten und nach mehrmaligem Abspringen bei extrem ruppigen Wurzel und Steinpassagen gingen wir lieber auf Nummer sicher und griffen zu einer e thirteen XCX. (Getestet mit einem SRAM XX und unter Einbezug von Erfahrungen mit einem XX1 Schaltwerk). Das Kettenblatt steht dem der SRAM XX1 somit in Punkto Sicherheit etwas nach.

Dauerhaltbarkeit:

Die Kurbel musste so einiges über sich ergehen lassen. Von Steinbeschuss in den Alpen bei der Zillertal BikeChallenge, über harte Belastungen und leider auch Stürzen bei der XC Bundesliga, bis hin zu Weltuntergang artigem Regen und Schlammbeschuss bei Deutschland Cups.

Dauertest_Next_Sl_KurbelKleinere Probleme bleiben während einer kompletten Saison nicht aus. Als erstes ist eine gelöste Schutzfolie am Kurbelarm zu nennen (s. folgendes Bild unten). Da sie jedoch nur an einem Arm Schaden nahm und auch nicht komplett abriss, ist dies kein Grund zu großer Kritik. Zudem können wir auch keinen zu harten Umgang beim BikeWash ausschließen. Vielmehr möchten wir hier auf die Vorzüge der guten Idee eingehen. Während Kurbeln von SRAM oder Shimano mit der Zeit starken Abrieb und Kratzer am Kurbelarm verzeichnen, ist die leichte Schutzfolie sehr wirksam gegen optische Schäden.

Dauertest_Next_Sl_Kurbel_2Negativ zu bewerten ist jedoch ein Defekt des Vorspannungsrings, der die Kurbel in axialer Richtung fixiert. Der Plastikring mit Alu-Schraube hat zwar keine tragende Funktion aber dennoch hätte man unserer Meinung nach hier auf etwas haltbareres setzen sollen. In unserem Test versagte das Gewinde des Plastikrings. Die Folge war axiales Spiel während einer Trainingseinheit, da sich der Plastikring nun verdrehte. Da sich der Schaden nicht direkt nach der Montage abzeichnete, sondern während einer Trainingseinheit ist ein Montagefehler auszuschließen. Selbstverständlich wurde das defekte Teil direkt einzeln von RaceFace getauscht.

DC Solingen, (c) Thomas Sommer

DC Solingen, (c) Thomas Sommer

Den sonstigen Verschleiß der leichten Kurbel möchten wir als normal betiteln. Das Kettenblatt weist übliche aber keineswegs zu starke Gebrauchsspuren auf und das Innenlager läuft ebenfalls gut bzw. frei. Zudem war nie ein Knacken der Kurbel zu spüren. Die Kosten von Ersatzteilen (PF30 Lager: rund 50€, d-m Kettenblatt 60€) wären ebenfalls nicht überteuert. Wir werden euch auf dem Laufenden halten, falls sich der Zustand in den nächsten Monaten ändern sollte.

Fazit:

Mit ihrer schönen Optik, der sinnvollen steifen Bauweise und dem bestechenden Gewicht ist die RaceFace Next SL Kurbel ein echtes Highlight. Auch der Vergleich aus Gewichtsersparnis und Preis fällt gut und gerechtfertigt aus. Wenn die kleineren Wehwehchen in unserem harten Tests nicht wären, wir würden die Kurbel vielleicht als perfekt bezeichnen. So oder so aber ein begeisternder Kauftip für Leichtbauer.

Mehr Infos und Auflistung aller Varianten unter: www.raceface.com

alle Bilder ohne (c) Beschriftung by Dominik Voss

Über den Autor

Dominik V.

Dominik ist Mitbegründer und gemeinsam mit Klaus Betreiber der Rund-ums-Rad.info Website Er ist aktiv bei nationalen Cross-Country und Rennradrennen am Start.

8 Comments

  • Hallo Dominik,
    danke für deinen Test.
    Ich habe eine Frage zu einem Problem: Ich besitze die selbe Kurbel am Radon Slide Carbon 10.0 und merkte nun nach einem Monat, dass die Kurbel Spiel hat. Dies äußert sich beim Fahren (sowohl in den Tritt als auch Rückwärts in den Leerlauf) insofern, als dass beim kurbeln immer am oberen Scheitelpunkt ein rumpeliges Gefühl auftritt, deutlich spürbar. Wenn man nun beide Kurbelarme entgegengesetzt mit seinen Händen nach oben und unten drückt, so merkt man auch ein Spiel. Es sind alle Schrauben mit den angeführten Nm angezogen. Ist die Kurbel hier defekt?

    • Hallo Jürgen,

      du redest von einem vertikalem Spiel, sehe ich das richtig? Ich würde dir in diesem Fall dazu raten, die Lager- und den Lagersitz zu überprüfen. Eventuell sind die Lager defekt oder sitzen nicht mehr passgenau und fest im Rahmen. Von der Kurbel selbst (von der Achse oder den Kurbelarmen) kann dies nach erster Einschätzung eher nicht kommen. Bau am besten mal die Kurbel aus und schau dir die Lager an. Oder du fragst einen Händler um Rat bzw. beim Importeur bikeaction direkt. http://www.bikeaction.de/kontakt/
      Wir haben mit dem Service von bikeaction gute Erfahrungen gemacht!

      Grüße

      Dominik (Autor des Berichts)

  • Hallo Dominik,
    ich habe mittlerweile die ganze Kurbel ausgebaut und wieder zusammengesetzt, wohlgemerkt nicht im Lager sondern ganz ohne Bike. Das Spiel merke ich auch, wenn ich die Kurbel in der Hand halte und gegengleich an den Armen ziehe/drücke. Es muss also direkt an der Kurbel liegen.

    Ich habe infolgedessen den linken Kurbelarm mithilfe der rechten Schrauben geöffnet, sodass die Spindel abging. Danach wieder mit 50NM festgezogen und die ursprüngliche Schraube hineingedreht und mit 50NM angezogen. Daraufhin den rechten Kurbelarm angezogen.

    Das Spiel ist weiterhin vorhanden.
    Sollte ich die Kurbel nun einschicken? Ich denke, mehr als die NM neu anzuziehen kann ich nicht machen. Ich vermute ein Spiel zwischen Alu-Gewinde und Carbonarm ?

    Ist Bikeaction Importeur für RaceFace bei Radon?

    Gruß
    Jürgen

  • Hallo,

    In diesem Fall definitiv einschicken. Erst mit Radon Kontakt aufnehmen und dann auf deren Instruktionen hören.
    Wahrscheinlich werden sie den Fall an bikeaction weitergeben.
    Meines Wissens nach aber bitte erst mit Radon Kontakt aufnehmen.

  • Hi, in nem anderen Blog hab ich gelesen was man nen 16 mm Inbus braucht für die Demontage, das ist aber unlogisch und laut Race Face Anleitung auch nicht nötig. Außer man will den integrierten Abzieher tauschen.

    Deine Erfahrung dazu?

  • Hallo Dominik,
    ich habe die selbe kurbel gekauft und beim einbau ist mir aufgefallen dass ich seitliches spiel habe. nun ist dort so ein rot eloxierter spacer übrig geblieben der wahrscheinlich rein muss, aber wo genau kommt er rein? ich kann dort 92mm and 107mm only lesen. habe aber genau 89,5mm tretlagerbreite? habe noch einen anderen gesehen wo 89,5 and 104,5 only draufsteht. welchen hast du verbaut? vielleicht kannst du mir weiterhelfen.
    Gruß Manuel

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