Allgemein

Essay: Warum man als Biker nicht reich werden kann

Neulich kam bei uns wieder mal eine recht alte Diskussion auf:
Es ging um den Vergleich Radprofi versus Fußballprofi.
Der Eine rennt Wochenende für Wochenende zusammen mit 21 anderen Spielern einem einzigen Ball hinterher (das ist zumindest, was Kritiker im Fußball sehen), der Andere quält sich Wochenende für Wochenende über Stunden in viel zu engen Klamotten auf einem Zweirad und kommt, Etappenrennen ausgenommen, dabei nicht mal von A nach B (das ist, was Kritiker über Radsport denken).

Im Grunde nach handelt es sich bei beiden um Sportler, die ihrer Leidenschaft nachgehen, die für Erfolg in ihrer Sportart vermutlich ihr letztes Hemd geben würden.
Nur durch jahrelanges Training, viel Zeitaufwand und absolute Hingabe haben es beide geschafft Profis zu werden. Damit haben beide schon mal eins gleichermaßen verdient: Respekt. Und ich denke, dass ihnen dieser von vielen „Normalos“ entgegen gebracht wird.
Radsportler und Fußballprofi sind also gleichermaßen reich, reich an Anerkennung für eine Leistung, die viele von uns nicht im Stande wären zu erbringen.
flo-3
Mit dem Begriff „reich“ verbinden wir aber etwas anderes: Reich ist, wer Geld hat. Mir liegen keine Kontoauszüge vor, aber ich denke es steht außer Frage, dass das Einkommen eines Spielers der Fußballnationalmannschaft um ein Vielfaches höher ist, als das eines Fahrers des Nationalkaders des BDR.

Woher kommt es also, dass beide Sportler Woche für Woche Höchstleistung erbringen, dabei gleichermaßen frenetisch von anderen Menschen bejubelt werden (man denke nur an die berüchtigte Fankurve beim Downhillrennen in Illmenau) und dennoch so unterschiedlich viel Geld „verdienen“.
Nun, ich denke über die Antwort bin ich soeben gestolpert: es sind die Zuschauer, die den Unterschied ausmachen.

Während in einem einzigen Fußballstadion teils 60.000 und mehr Menschen sich ein Spiel ansehen – allein an einem Spieltag der 1. Bundesliga sind es 9 gefüllte Stadien, wenn auch teils mit weniger Plätzen – kommen zu einem Radrennen oft nur wenige Tausend. Der Grund dafür liegt meines Erachtens nach darin, dass Fußball einfach massen-tauglicher ist als Radsport.

flo-2Ein Ball und zwei Tore sind schnell gefunden. Kicken kann man fast überall, auf dem Bolzplatz mit den Kumpels, nach Feierabend in der Halle mit Kollegen, ja sogar im Stau auf der Autobahn.
Zum Radfahren braucht man, na klar, zumindest mal ein Fahrrad. Und während ein paar ordentliche Fußballschuhe für 150€ zu haben sind, muss man für ein Rad, mit dem man ernsthaft Rennsport betreiben kann, meist mehr als das 10-fache auf die Ladentheke legen. Fußball ist eigentlich ungefährlich. Radfahren kann tödlich sein. Eine Mutter, die entscheiden soll, ob ihr Kind auf einem Rasenplatz einem Ball hinterherjagt oder sich mit wahnwitzigen Geschwindigkeiten auf einem Zweirad mit anderen Kindern duelliert, wird ihre Entscheidung nur selten in Richtung Radsport fällen (zum Glück bestätigen Ausnahmen die Regel, sonst hätten wir in unserem geliebten Sport ja gar keinen Nachwuchs).

Geld kann nur da fließen, wo es jemanden gibt, der bereit ist es auszugeben. Fußballvereine und Sportfirmen wären nicht gewillt so hohe Summen an Spieler zu zahlen, würden sie nicht ihrerseits Unmengen Umsatz mit Fanartikeln und Tickets machen. Solange also Max Mustermann lieber das neueste Trikot seines Lieblings-Fußballclubs kauft und nicht das World-Cup Replika Rad, werden Radsport Firmen nicht genügend Umsatz machen können um ähnlich hohe Auszahlungen an Radsportler zu ermöglichen.
flo-1
Fußball war, ist und bleibt ein Massenphänomen. Der Radsport war, ist und wird es nie sein.
Das müssen wir akzeptieren, auch wenn viele von uns behaupten, dass Radfahren der geilste Sport der Welt sei. Und wir haben Recht!
Aber wir müssen uns damit abfinden, dass der Fußball unerreicht bleibt, dass man als Radfahrer nicht reich werden kann.
Und mal ehrlich, würden wir wollen, dass quasi Jeder ein Radsportler ist? Hat es nicht auch seinen Reiz für eine Art Randsportart zu leben? Wir werden mit unserem Sport nicht reich, zumindest nicht reich an Geld. Dafür sind wir umso reicher an Momenten fürs Leben. Denn was ist schon ein Sonntags-Kick im Stadion im Vergleich zu einer epischen Ausfahrt in die Natur?

Über den Autor

Florian

Aus Eins mach Drei: während Florian bis vor kurzem nur auf dem Rad - und dort vor allem auf dem MTB - unterwegs war, kamen nun auch noch das Schwimmen und Laufen hinzu. Für den TV Forst steht er seitdem regelmäßig bei diversen Triathlon Veranstaltungen am Start. Das Radfahren wird aber immer seine Lieblingsdiziplin bleiben.

2 Comments

  • Sehr schön geschrieben , ich würde mir wünschen, dass von den utopisch hohen Honoraren für manche Sportarten 50 % in die Sportförderung gehen würden und es gleichmäßig auf andere Sportarten verteilt wird .
    Weil es hat jeder Leistungssportler verdient.

    • Das wäre wirklich schön! Allerdings kann man ja irgendwie auch verstehen, dass die Fußballer ihr Geld, wenn, lieber in den Fußball investieren. Für die Sportförderung und andere Sportarten bleibt da dann natürlich nichts übrig. Woher auch sollte da ein Interesse an anderen Sportarten da sein?

Hinterlasse einen Kommentar