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Interview mit Marius Hoppensack

Heute gibt es wieder mal ein interessantes Interview.
Steffen ist es gelungen, Marius Hoppensack ein paar Fragen zu übermitteln.
Die Antworten bekommt ihr natürlich hier bei uns.

Hallo Marius, du bist Dirtbiker, Slopestyler und noch vieles mehr. Deine sportlichen Ursprünge liegen allerdings im Segelsport. Acht Jahre hast du dich dem Wassersport gewidmet.
Nun erklär uns doch mal, wie man vom Segeln zum Moutainbiken kommt?


Das hört sich ein bisschen so an, als wäre der Unterschied dazwischen kaum begreifbar.
Aber so verschieden ist es nicht und mit segeln ist auch nicht auf dem Seen rumtümpeln und in der Sonne liegen gemeint. Bei den Booten, die ich als 15-jähriger gefahren bin wird auf jedes Kilo geachtet, Segel anders angeknotet, damit man eine größere Segelfläche hat, leicht-lauf Rollen und high-tech Seile verwendet und Meisterschaften werden mehrere Kilometer weit auf Meeren ausgetragen, damit genügend Wind und Wellen sind.
Die Boote sind flach und schmal und gehen dementsprechend gut ab. Natürlich muss man sich auch viele Gedanken über Strömungen und das Wetter machen, aber genau so wichtig sind schnelle Bewegungsabläufe und Kondition ähnlich wie beim Radfahren. Wenn das nicht funktioniert, kannst du dich mit so einem Teil auch schnell mal überschlagen, was auch nicht so ganz ungefährlich ist, wenn du Mitten auf dem Meer rumhängst und um dich rum Meter hohe Wellen sind.
Was mir beim Radfahren allerdings mehr gefällt ist die Möglichkeit kreativ zu werden, sich neueTricks und Lines einfallen zu lassen oder andere Locations zu fahren und vor allem miteinander statt gegeneinander seine Runden zu drehen.

Fotograf: Jan Faßbender | Spot: Duisburg

Deine Hompepage www.marius-hoppensack.de ist mir direkt ins Auge gestochen, so etwas habe ich vorher noch nicht gesehen. Ist sie nach deinen Vorstellung entworfen worden, wenn ja wie bist du auf diese Idee gekommen?

Ich hab ein Buch über Webseiten-Programmieren gelesen, als ich meine erste Knieverletzung hatte.
Meine erste Seite sah ziemlich behindert aus, weil ich mich recht stark an das Buch gehalten habe.
Nach einer Zeit ist mir ein System eingefallen, was ich mal ausprobieren wollte. Es wird sicherlich nicht die Informatikerwelt revolutionieren, weil es jede Menge andere Nachteile hat, aber es erfüllt seinen Zweck für mich und ist nicht so langweilig, wie die anderen Sachen, die man oft im Internet findet. Außerdem hab ich irgendwann mal eine Mail von einem Webspace Anbieter bekommen, dass ich einen Wettbewerb für Webseiten vorgeschlagen wurde und und 2. wurde. Ziemlich cool! Hahaha!
Das Gekrakel drum herum, hab ich mal an einem Abend gemacht, während ich Fernsehen geschaut habe und nur Scheiße lief!

Fotograf: Lars-Kjeld Riedl | Spot: Leipzig

Du hast deine eigene Radfirma gegründet und vertreibst unter dem Namen „Beddo“ mittlerweile nicht nur den Rahmen, sondern auch Lenker und Sättel. Was hat dich dazu getrieben „Beddo“ zu bauen?

Schon bevor ich Mountainbike Profi werden wollte, wollte ich eine Fahrradfirma gründen und meine eigenen Anbauteile bauen.
Zwischen Schule, Radfahren und kleineren Projekten war ich aber genug ausgelastet und hab die Idee wieder etwas verworfen. Also ich dann aber meine Schule fertig hatte und nur noch Radfahren in meinem Leben war, ist mir ziemlich schnell langweilig geworden (siehe Webseiten-Buch).
Ich hab die Fahrradfirmen-Idee also wieder aufgegriffen, ein paar Dinge langsam in die Wege geleitet, aber immer noch alles ruhig gehalten.
Ich war zu der Zeit als es richtig los ging auch noch bei Scott unter Vertrag und war eigentlich auch ziemlich glücklich damit. Die Entscheidung war also nicht all zu leicht vor allem, weil mir jede Menge Leute davon abgeraten haben.
Mittlerweile bin ich aber sehr glücklich damit!
Mit Beddo kann ich endlich meine Ideen so umsetzen wie ich es möchte und Teile bis ins kleinste Detail genau so entwerfen, wie sie auch Sinn haben.
Zur Zeit läuft es sehr gut damit. Die erste Rahmen Generation ist restlos ausverkauft und die Zweite ist seit kurzem lieferbar.
Dann gibt es noch Steuersätze, Shirts, Griffe, Vorbauten, Felgen kommen bald, Kurbeln, neue Sattel/Sattelstützen-combos, Kompletträder uvm.

Fotograf: Urs Kusche | BikeBase Merkenbach

Wie bist du eigentlich auf den Namen „Beddo“ gekommen?

Im japanischen ist es wohl das Bett und im französischen Slang ist es ein Joint.
Für mich ist es ein netter Wortlaut und dass der Name auch in anderen Sprachen gerne ausgesprochen wird, heißt für mich, dass ich nicht der einzige bin, dem das Wort gefällt.
Beddo Bikes klingt einfach gut. Ist genau mein Ding! 😉

Fotograf: Urs Kusche | Spot: Wicked Woods

Wie viel Zeit bleibt dir neben der eigenen Firma noch zum Radfahren?

Die Zeit ist natürlich schon eingeschränkt und oft würde ich gerne mehr Radfahren, als es die Zeit zulässt.
Aber ich denke das geht jedem so und warum sollte ich da eine Ausnahme sein.
Mir macht es Spaß Teile zu entwerfen und der ganze Kram, der drum herum noch auf mich zu kommt.
Ich finde es schön etwas wachsen zu sehen, was ich selbst erschaffen habe und es immer wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Außerdem ermöglicht es mir genau so manchmal mehr auf dem Rad zu sitzen, mehr Roadtrip zu machen, Teamfahrer zu besuchen, Videos zu drehen usw.
Im Moment kann ich mir mein Leben nicht schöner vorstellen. Ich habe alles selbst in der Hand und mach genau die Dinge die mir Spaß machen. Was will man mehr?

Fotograf: Urs Kusche | Spot: BikeBase Merkenbach

Im Sommer 2009 starteten Carlo Dieckmann, Marc Rüsing, Jonas Berndt und du einen Roadtrip durch Deutschland. Nur mit eueren Bikes, einem alten Bus und ohne finanzielle Mittel. Was hat euch dazu bewegt, dass TorTour-Projekt ins Leben zu rufen?

Um ehrlich zu sein, hat mich irgendwann Marc angerufen, weil er einen Bericht über die Kelly-Family gelesen hat, die von Stadt zu Stadt gezogen sind um mit Straßenmusik ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das hat wohl ziemlich gut geklappt, bis auf die Tatsache, dass sie sich offensichtlich keinen Frisör leisten konnten, was sie aber sicherlich mit einer anderen Musikart auch noch hinbekommen hätten.
So in etwa verlief diese Gespräch und uns war aber beiden schon klar, dass wir statt Musik Radfahren könnten und für die Frisur Carlo genau der richtige Kandidat war.
Jonas musste mit, weil er zum Beispiel der einzige war, der an Töpfe, einen Gaskocher und einen Dosenöffner gedacht hat.
Das war auf jeden Fall einer der Trips, die ich nie vergessen werde.
Am ersten Tag, des Trips ging es schon damit los, dass der Karren nicht mehr angehen wollte. Gegen Ende des Trips hatten wir den sensationellen Plan ihn immer nur auf Hügeln abzustellen, damit wir beim Starten nicht immer anschieben müssen.
Die Sitzbank haben wir quer eingebaut, weil wir´s zum chilln witziger fanden. Allerdings sitzt man nicht gerne 4 Stunden seitwärts im Auto und so haben wir statt auf der Sitzbank uns lose Campingstühle in die Ladefläche gestellt.
Mit 60 PS und 3,5 Tonnen Gewicht war es auch nicht gerade ein Rennwagen, aber die komplette Teppich Innenausstattung inkl. Armaturenbrett in Rot hatte wieder was von der perfekten Puff-Optik.
Neben dem Wagen erlebt man natürlich auch jede Menge, wenn 6 Jungs (4 Fahrer plus Ralf Schupp als Filmer und Bartek als Photograph) durch Deutschland tuckern, ohne einen Cent Geld in der Tasche, nur Wildcampen und ständig auf der Suche nach Örtlichkeiten um die Notdurft zu verrichten oder sich mal feucht durch den Schritt zu wischen sind. Ein einmaliges Erlebnis! Hahah

Fotograf: Jan Faßbender | Spot: Duisburg

Steht in nächster Zeit vielleicht auch wieder ein Projekt in dieser Richtung an?

Projekte stehen immer an!
Die machen mir am meisten Spaß und alles andere wäre auch langweilig. Allerdings kündige ich sowas nicht so gerne an.
Die Leute erfahren es schon noch früh genug, wenn´s im Gange ist und bis dann Bilder und Videos davon erscheinen, ist die Spannungsphase noch lang genug…

2010 verordnete dir ein sehr schwerer Sturz eine lange Zwangspause. Das Wadenbein war durch und mehrere Bänder waren abgerissen. Wie hast du es geschafft wieder an deine vorherige Karriere anzuknüpfen?

Im ersten Moment war es natürlich schon ein ziemlicher Schlag in die Fresse. Vor allem, weil ich noch 4 Stunden vorher in meiner Wohnung stand und ich gefreut habe wie schön doch zur Zeit alles ist und es dann auf einmal hieß, dass ich froh sein kann, wenn ich irgendwann nochmal richtig gehen kann.
Aber ich hab zum Glück schnell gemerkt, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann, sondern nur das beste aus der aktuellen Situation machen.
Mein Ziel war es die ganze Zeit noch mindestens einmal den Double Tailwhip zu machen, bei dem ich mir das Knie so nach vorne umgeknickt hatte.
Ich habe mir wieder viele Ablenkungsmöglichkeiten einfallen lassen, damit meine Reha ordentlich mache und nicht zu früh auf die Idee komme wieder auf´s Rad zu steigen.
Insgesamt hat es 13 Monate gedauert bis ich wieder fit war. Den Double Tailwhip habe ich seitdem noch ein paar mal wieder gemacht und laufen klappt auch hervorragend.

Fotograf: Jan Faßbender | Spot: Witten

Ich hab dich auf einem Facebook Foto entdeckt. Du warst auch auf dem Dirt Master in Winterberg. Wie hat es dir dort gefallen und was war dein Highlight an diesem Wochenende?

Ja natürlich!
Ich hab dort meine neuen Rahmen am Beddo Stand vorgestellt und den SKS-Slopestyle und die RedBull Bergline moderiert.
Mein persönliches Highlight war auf jeden Fall alle Beddo Teamfahrer auf einem Haufen zu treffen und ihnen beim Radfahren zuzusehen.
Ansonsten ist es einfach ein sensationelles Festival dort.
Freier Eintritt, jede Menge Rad-Events und Möglichkeiten selbst zu fahren, abends gibt es gute Bands und einfach 4 Tage der schönste Sport der Welt.
Auf jeden Fall eine sehr gelungene Veranstaltung!

Du fährst keine Contests mehr.
In einem Interview von einem namhaften Radversender kritisiert du auch sowohl das Contest- als auch das Bewertungssystem.
Wie sind deine Vorstellung von einer Veranstaltung bei dem Biker gegen einander antreten und wie sollte sie bewertet werden?

Wie die Bewertung dabei abläuft ist mir eigentlich egal. Hauptsächlich habe ich mich persönlich dagegen entschieden Contests zu fahren, einfach weil es mir keinen Spaß macht und ich nicht das Verlangen danach habe dass jemand meine Art Radzufahren bewerten sollte.

Allerdings soll es weiterhin Contests geben und jeder der Spaß daran hat, soll es auch weiter machen. Es ist sicher nicht schlecht für den Sport.

2009 dreht Lukas Tielke den Bikefilm Dirty Dream.
Auch du warst mit von der Partie. Wie hat Lukas, zu dieser Zeit noch Laie, einen professionellen Radfahrer überzeugen können ohne Referenzen?

Er hat mir einfach auf den Dirtmasters erzählt, dass er im Snowboardbereich schon ein paar Filme gedreht hat und jetzt gerne was im Mountainbikebereich starten möchte.
Vor Lukas gab es nur eine Handvoll Filmer in Deutschland, die wirklich professionelle Mountainbike Filme produziert haben. Es hat einfach keiner die Nötigkeit darin gesehen.
Zu dem Zeitpunkt habe ich glaube ich sowas gesagt wie: „Ich hab nur noch wenige Minuten Training, bevor´s mit dem Contest los geht, aber ich bin auf jeden Fall dabei. Hier ist meine Handynummer!“
Wir haben uns dann einen Monat später getroffen und ein bisschen gefilmt.
Nachdem er mir seine gedrehten Clips auf der Kamera gezeigt hat, war klar dass das ein fettes Ding werden wird.
Alle hatten das glaube ich schon im Gefühl und selbst die Premiere, in einem alten Kino in einem kleinen Dorf in der Nähe von Winterberg war proppe voll!
Erst danach haben sich jede Menge Jungs gedacht, dass es ganz cool wäre doch mal einen Film zu drehen und haben sich Kameras gekauft.
Lukas hatte es am Anfang richtig schwer überhaupt jemanden davon zu überzeugen, dass Filme wichtig sind. Wir sind zusammen zu Sponsoren gegangen und haben erzählt, dass ich weniger Contest fahren will und Lukas filmen möchte und wir fette Internetvideos produzieren.
Die meisten haben uns nur belächelt und sogar Spritkosten zu übernehmen war für die meisten nicht drin.
2 Jahre später weiß jeder wie wichtig gute Videos sind und es gibt jede Menge davon.
Lukas ist vorne mit dabei aber hat für mich trotzdem eine Sonderstellung für den, der alles in Bewegung gesetzt hat.

Auf die Bitte von Marius, führen wir hier noch seine Sponsoren auf. Als da wären:

Das Interview wurde geführt von

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Rund ums Rad | Outdoortest-Team

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