Marathon-Rennberichte xc-marathon

MTB Marathon EM und Eliminator-Sprint DM in Singen

Am kommenden Wochenende werden in Singen gleich zwei Mountainbike Titel ausgefahren. Hier erfahrt ihr ein paar Infos und die ausführliche Einschätzung der diesjährigen Favoriten.

Europameisterschaft im Rahmen des Rothaus Hegau Bike Marathon

Am kommenden Sonntag, 12. Mai wird wieder ein neuer Teilnehmerrekord erwartet. Bereits jetzt sind 200 Meldungen mehr als im letzten Jahr eingegangen.  Im Rahmen der Europameisterschaft fahren die Herren (Start: 10:30 Uhr) zwei 47-Kilometer-Runden, die Damen (Start: 10:10) eine 28-Kilometer-Schleife und dann noch eine 47-Kilometer-Runde. Bei den Herren summieren sich auf den 94 Kilometern 2100 Höhenmeter, bei den Damen sind es 1550. Das wellige Profil ist im Gegensatz zu anderen großen Marathons eher flach. Für die Hobbyfahrer und Nicht-EM-Teilnehmer sind die 75 Kilometer, die 47 und die 28-Kilometer im Angebot.

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 ©Marius Maasewerd

Bei den Herren gehört vor allem der dreifache Weltmeister Christoph Sauser (Specialized) zu den Favoriten. Klar, denn der Schweizer war schon zweimal Marathon-Weltmeister und auch einmal Cross-Country-Weltmeister, sowie diesjähriger Sieger des renommierten Etappenrennens Cape Epic. Sauser spricht zwar von einer „nicht gerade optimalen Vorbereitung“, aber er rechnet sich trotzdem Chancen aus. „Wenn ich an den Start gehe, will ich auch gewinnen“, sagt der Specialized-Fahrer.

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©Erhard Goller

Die Liste der möglichen Siegkandidaten ist beim Rothaus Hegau Bike-Marathon aber länger als sie bei einer Marathon-Europameisterschaft je war.

Alban Lakata (Topeak-Ergon) hat vergangenen Sonntag den gut besetzten Marathon in Riva del Garda gewonnen. Die Form des Österreichers ist also top. „Deutschland ist prinzipiell ein gutes Pflaster für mich. 2010 bin ich in St. Wendel Weltmeister geworden und 2008 in Albstadt Europameister“, sagt Lakata und verweist darauf, dass ihm Strecken wie die im Hegau prinzipiell liegen. Auf Flachpassagen gilt der „Albanator“ als extrem stark.

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©Marius Maasewerd

Der amtierende Überraschungs-Weltmeister Periklis Ilias (Full Dynamix) macht eine klare Ansage: „Die Marathon-Europameisterschaft ist für ein großes Ziel. Nach dem Weltmeistertitel will ich zeigen, dass ich in der Lage bin auch andere Titel zu holen.“ Seit seinem Sieg beim Roc Laissagais Anfang April hat er kein Rennen mehr bestritten, sondern sich gezielt auf die EM vorbereitet. Auf der flachen Strecke kann er außerdem nicht von einer Team-Unterstützung profitieren. Mit einem weiterem guten Ergebnis würde er seinen Unbekannten-Status definitiv verlieren.

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©Marius Maasewerd

Aus deutscher Sicht wird es interessant, was unser deutscher Meister Markus Kaufmann so leisten wird. Der Meckenbeurener war hinter Lakata in Riva Zweiter und hat sich letztes Jahr im Hegau bereits triumphiert. „Ich habe mit meinem Trainer noch mal das wellige Profil trainiert. Jetzt bi ich ganz guter Dinge. Ein Platz unter den besten Fünf wäre ein Traumergebnis, aber auch die Top-Ten schon ein Erfolg“, sagt Kaufmann, der auf die Unterstützung seiner Centurion-Vaude-Teamkollegen Jochen Käß und Hannes Genze bauen kann.

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 ©Armin Kuestenbrueck

Als Team am stärksten aufgestellt ist fraglos das Team Bulls. Mit Lokalmatador Tim Böhme, Karl Platt aus Osthofen und mit dem Schweizer Urs Huber haben die Equipe gleich drei Medaillenkandidaten in ihren Reihen. Der deutsche Karl Platt, der schon beinahe alle Marathons gewonnen hat, nur keine internationalen Titel, litt am letzten Wochenende in Riva noch an den Auswirkungen eines Infekts. Die Spritzigkeit fehlte. Tim Böhmes Form war leider ebenfalls nicht perfekt.

Wie man sieht, ist die Favoritenliste lang. Wir sind gespannt!

Bei den Damen sieht das anders aus. Der Kreis der Medaillenkandidatinnen engt sich auf wenige Namen ein. Esther Süss (Wheeler-iXS) hat eine starke Frühform gezeigt und war auch 2010 schon Marathon-Weltmeisterin.

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 ©Armin Kuestenbrueck

Unsere deutsche Hoffnung Sabine Spitz, mehrfache Olympia-Medaillengewinnerin, vor dem Renen: „Singen liegt ja fast vor der Haustür und es ist auch ein Kurs, der mir entgegen kommt. Mein Ziel ist eine Medaille. Es wird sicher sehr schwer Esther zu schlagen“, weiß sie schon aus Erfahrung. Sie haben sich auf der Langstrecke schon viele Duelle geliefert, mit unterschiedlichem Ergebnis. Dass sie das Unternehmen Marathon-EM ernst nimmt, zeigt schon der Umstand, dass sie sich den Kurs vergangene Woche noch einmal angeschaut hat.

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 ©Ralf Schäuble

Die dritte Kandidatin ist Sally Bigham. Die Topeak-Ergon-Fahrerin aus Großbritannien will nach zwei Silbermedaillen jetzt EM-Gold. Dass sie auf Flachpassagen und in Anstiegen sehr stark fahren kann, das attestiert ihr auch Konkurrentin Esther Süss. Doch Bigham hat sich Ende vergangener Woche einen Infekt eingefangen und deshalb auf den Gardasee-Marathon verzichtet. Wie gut sie sich davon erholt und wie viel Handicap die Pause am Sonntag sein wird, das wird sich erst auf den 75 Kilometern des Damen-Rennens zeigen.

Sprint-DM

Am Samstag wird erst die zweite Sprint-DM Deutschlands ausgetragen. Das neue Format zeigt sich immer noch sehr umstritten aber das lassen wir nun einmal außen vor. (eine kurze Erklärung des Formats findet ihr hier: http://www.rund-ums-rad.info/vorstellung-mtb-sport-ausdauerdisziplinen/) Der 600 Meter lange und flache Kurs in der Singener Innenstadt ist ein reiner Stadtkurs. Eine Steilwandkurve, ein Sprung, eine Wellenbahn aus Schotter werden sich in den Weg stellen.

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 ©Armin Kuestenbrueck

Dem amtierende Meister Gegenheimer ist es völlig egal wo er sprintet: „Mountainbiken heißt für mich frei sein auf meinem Bike. Ich mach da keinen Unterschied, ob ich einen Alpentrail hochkämpfe, auf einer Autobahnbrücke ein Moped überhole oder über einen Stadtbrunnen springe. Wichtig ist, ich hab dabei Spaß und der steigt bei mir mit den Emotionen. Die können definitiv auch bei einem City-Kurs auftreten.“ Weitere seiner Ansichten zum Rennformat könnt ihr hier in unserem Interview nachlesen: http://www.rund-ums-rad.info/interview-simon-gegenheimer/

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 ©Armin Kuestenbrueck

„Ich will den Titel“. Simon Gegenheimer  (Rose-Ultrasports) lässt keine Zweifel daran, dass er sich am Samstag in Singen zum zweiten Mal das Jersey mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring überstreifen will. Weil es erst die zweite Deutsche Meisterschaft in dieser jungen Disziplin ist, bliebe die Bezeichnung Deutscher Sprint-Meister praktisch ein Alleinstellungsmerkmal für ihn.

Es gibt eine ganze Hand voll Fahrer, die dem Remchinger den Titel streitig machen wollen. Der Wahl-Koblenzer Andy Eyring vom Team Bergamont zum Beispiel, der 2012 in Kirchzarten schon die Bronzemedaille gewonnen hat. Oder Christian Pfäffle aus Neuffen vom Lexware-Rothaus-Team, der bei der Weltmeisterschaft in Saalfelden sensationell ins Finale vorstoßen konnte und am Ende Vierter war. „Dass ich gut sprinten kann, habe ich gezeigt. Mein Ziel ist auf jeden Fall das Podest“, sagt Pfäffle.

Teamkamerad Martin Gluth war schon 2012 Mitfavorit, ehe er in der Qualifikation durch einen Sturz ausschied. Gluth kommt mit der Empfehlung eines zweiten Platzes beim Eliminator Sprint in Solothurn am vergangenen Freitag.

Simon Stiebjahn hat im vergangenen Jahr die Sprint-Gesamtwertung der Internationalen MTB-Bundesliga gewonnen. Außerdem konnte der Bulls-Biker Ende April in Heubach den Sprint-Sieg feiern und dabei Simon Gegenheimer schlagen.

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©Armin Kuestenbrueck

Doch die Liste könnte man nun noch seitenlang weiter ausbauen. Viele trauen Gegenheimer sehr viel zu, doch einen absoluten Topfavoriten gibt es trotzdem nicht. Dazu ist bei einer Sprint-Konkurrenz Hopp oder Top auch zu nah beieinander. Einmal kurz versteuert, einmal ein wenig weggerutscht oder einmal verschalten und schon lösen sich in den zwei Minuten höchster Anspannung die Ambitionen in einem Nichts auf.

Auch bei den Damen lässt sich eine große Favoritin nicht herausfiltern. Elisabeth Brandau wäre es gewesen, doch die Titelverteidigerin reist mit einem großen Handicap nach Singen. Nach ihrem Innenband-Anriss ist sie eigentlich noch nicht wieder konkurrenzfähig. Trotzdem will sie versuchen in Singen an den Start zu gehen aber die Entscheidung fällt erst vor Ort.

Wer kommt als eventuelle Nachfolgerin in Frage? Nadine Rieder (Topeak-Ergon) zum Beispiel. Die Sonthofenerin hat zuletzt als Bundesliga-Sechste in Heubach überzeugt, als sie die einzige Deutsche im Finale war und auch in Münsingen musste sie sich als Zweite nur der Weltmeisterin Alexandra Engen aus Schweden geschlagen geben. Der weitere Favoritenkreis ist einfach zu groß, um bestimmte Personen zu nennen.

Über den Autor

Dominik V.

Dominik ist Mitbegründer und gemeinsam mit Klaus Betreiber der Rund-ums-Rad.info Website Er ist aktiv bei nationalen Cross-Country und Rennradrennen am Start.

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